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Büro und Praxis streichen im laufenden Betrieb: Planung, Farben und Ablauf

Büros und Praxen lassen sich in der Regel streichen, ohne den Betrieb zu schließen. So planen Sie Abschnitte und Randzeiten, wählen emissionsarme Farben, schützen Technik und Möbel und informieren Ihr Team.

Martin BartonMalermeister ·

Isometrischer Grundriss einer Büroetage: Ein Raum ist abgedeckt und wird gestrichen, die übrigen Räume sind normal eingerichtet (KI-generierte Illustration)

Kurz gesagt: Renovieren, ohne den Betrieb anzuhalten

Ein Büro oder eine Praxis lässt sich in der Regel streichen, ohne den Betrieb zu schließen. Drei Dinge entscheiden darüber, wie wenig Ihr Team davon merkt. Erstens werden die Arbeiten in Abschnitte geteilt und, wo es passt, auf Abende, Wochenenden oder ruhige Tage gelegt. Zweitens kommen emissionsarme Farben zum Einsatz, und die Räume werden gelüftet, bis die Farbe getrocknet ist. Drittens wissen alle Beteiligten vorher, welcher Raum wann frei sein muss.

Wer das früh plant, hält die Störung klein. Wer es dem Zufall überlässt, hat Kartons im Flur, Farbgeruch im Besprechungsraum und Mitarbeitende, die am Montag ihren Arbeitsplatz suchen.

In diesem Ratgeber erklären wir, worauf Office-Manager, Praxisinhaber und Facility-Manager achten sollten, welche Farben sich für stark genutzte Räume eignen und wie wir solche Aufträge für Büros und Praxen in Hamburg angehen.

Was entscheidet: Raumluft, Belastbarkeit und Hygiene

Emissionsarme Farben. Wandfarben werden in Innenräumen großflächig verarbeitet. Das Umweltbundesamt hält es deshalb für wichtig, dass sie emissions- und schadstoffarm sind. Eine Orientierung bietet der Blaue Engel für emissionsarme Innenwandfarben (DE-UZ 102). Nach den Kriterien, die die Jury Umweltzeichen Ende 2018 beschlossen hat, dürfen Innenwandfarben mit diesem Zeichen nicht mehr mit bioziden Wirkstoffen konserviert werden. Dazu kommen Grenzwerte für flüchtige und schwer flüchtige organische Stoffe (VOC und SVOC) und der Ausschluss krebserregender Stoffe. Hintergrund beim Thema Konservierung: Zu den eingesetzten Konservierungsmitteln gehören Isothiazolinone, deren sensibilisierende Wirkung laut Umweltbundesamt bekannt ist.

Lüften. Das Umweltbundesamt rät, während und nach Renovierungen regelmäßig und intensiv zu lüften, mindestens so lange, bis Farben und Klebstoffe richtig getrocknet sind. Erhöhte VOC-Konzentrationen verschwinden danach in der Regel spätestens nach einigen Wochen aus der Raumluft. Außerdem empfiehlt es, einen Raum nach dem anderen zu renovieren. Das passt gut zum Arbeiten in Abschnitten.

Belastbarkeit. Flure, Empfang und Wartebereich werden täglich berührt und gereinigt. Wie gut eine Wandfarbe das aushält, zeigt die Nassabriebklasse nach DIN EN 13300. Die Skala reicht von Klasse 1, der höchsten Scheuerbeständigkeit, bis Klasse 5. Für stark beanspruchte Flächen eignen sich Farben der Klasse 1 oder 2.

Hygiene in der Praxis. Bei Praxisbegehungen durch das Gesundheitsamt wird unter anderem geprüft, ob Böden, Wände und Decken intakt, sauber, fugendicht und wischdesinfizierbar sind. Ob eine Wandfarbe gegen Desinfektionsmittel beständig ist, weisen Hersteller im technischen Merkblatt aus. Deshalb klären wir vor der Farbwahl mit Ihnen, welche Mittel in Ihren Räumen verwendet werden.

So gehen wir vor: Abschnitt für Abschnitt

Bei Büros und Praxen beginnt die Arbeit nicht mit der Rolle, sondern mit dem Zeitplan. Unser Ablauf in der Regel:

  1. Begehung und Abschnittsplan: Wir gehen die Räume mit Ihnen durch und legen fest, welche Bereiche nie gleichzeitig ausfallen dürfen, etwa Empfang, Serverraum oder Behandlungsräume. Daraus entstehen Abschnitte und Zeitfenster, zum Beispiel Abende, Wochenenden oder sprechstundenfreie Tage.
  2. Information des Teams: Sie erhalten von uns einen Plan, wer wann seinen Arbeitsplatz räumen muss. So können Mitarbeitende ihre Unterlagen rechtzeitig sichern und ausweichen.
  3. Räumen und Schützen: Möbel rücken wir zusammen und decken sie mit Folie ab, Böden schützen wir mit Abdeckmaterial. Was an Technik ab- und wieder aufgebaut werden muss, klären wir vorher mit Ihrer IT, damit auch der Wiederaufbau eingeplant ist.
  4. Untergrund prüfen und vorbereiten: Wände müssen fest, trocken und sauber sein; ihre Tragfähigkeit wird vor dem Anstrich geprüft. Löcher und Risse spachteln und schleifen wir. Staubige Arbeiten legen wir in Zeiten, in denen niemand im Raum arbeitet.
  5. Streichen, trocknen, lüften: Wie schnell eine Farbe trocknet, hängt von Temperatur und Luftfeuchte ab; Hersteller geben die Werte im Merkblatt an. Bis die Farbe trocken ist, wird gelüftet.
  6. Rückbau und Abnahme: Abdeckungen entfernen, Möbel zurückstellen, gemeinsam abnehmen. Erst dann beginnt der nächste Abschnitt.

Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

Diese Fehler machen eine Renovierung im laufenden Betrieb unnötig mühsam:

  • Alles auf einmal: Wer alle Räume gleichzeitig streichen lässt, verliert die Ausweichflächen. Abschnitte halten den Betrieb am Laufen.
  • Farbe nur nach Weißton gewählt: In Fluren und am Empfang hält eine Farbe mit niedriger Nassabriebklasse dem Reinigen schlecht stand. Bei den Klassen 4 und 5 löst sich beim Entfernen von Flecken oft die Farbe mit.
  • Zu früh eingeräumt: Möbel und Geräte, die an frisch gestrichene Wände zurückgeschoben werden, bevor die Farbe trocken ist, hinterlassen Abdrücke und Kratzer.
  • Nicht gelüftet: Ohne Lüften bleibt der Geruch länger im Raum. Das Umweltbundesamt rät, mindestens bis zum Trocknen zu lüften; hohe Temperaturen beschleunigen das Ausgasen.
  • Team nicht informiert: Wer am Morgen vor einem abgeklebten Büro steht, verliert Zeit. Ein Aushang oder eine kurze Mail vorab verhindert das.
  • Praxis: Desinfektionsmittel nicht abgeglichen: Wird die Wandfarbe gewählt, ohne die verwendeten Mittel zu kennen, fehlt die Grundlage für eine wischdesinfizierbare Oberfläche.

Selbst machen oder Profi?

Ein einzelnes kleines Büro kann ein geübtes Team auch selbst streichen, etwa an einem Wochenende. Bei mehreren Räumen, knappen Zeitfenstern, empfindlicher Technik oder Praxisräumen mit Hygieneanforderungen stößt das schnell an Grenzen. Dann zählt, dass Planung, Schutz und Anstrich in einer Hand liegen und jeder Abschnitt zum vereinbarten Zeitpunkt fertig ist.

Ehrlich gesagt: Nicht jede Renovierung muss am Wochenende laufen. Wenn ein Bereich ohnehin einige Tage leer steht, kann Arbeiten zu normalen Zeiten die einfachere Lösung sein.

Was den Aufwand bestimmt:

  • Fläche und Raumhöhe: Sie bestimmen die Menge an Farbe und Arbeitszeit.
  • Arbeitszeiten: Arbeiten am Abend oder am Wochenende und viele kleine Abschnitte erhöhen den Aufwand.
  • Räumen und Schützen: Viele Möbel, Akten und Geräte bedeuten mehr Vorbereitung.
  • Zustand des Untergrunds: Löcher, Risse oder nicht tragfähige Altanstriche müssen vorher ausgebessert werden.
  • Anforderungen an die Farbe: Hohe Nassabriebklasse oder Beständigkeit gegen Desinfektionsmittel schränken die Produktauswahl ein.

Häufige Fragen

Können wir während der Malerarbeiten weiterarbeiten?

In der Regel ja. Gearbeitet wird in Abschnitten, sodass jeweils nur ein Teil der Räume belegt ist. Wo es um Staub oder Geruch geht, legen wir die Arbeiten möglichst auf Zeiten, in denen niemand im Raum ist.

Wie lange riecht es nach dem Streichen?

Das hängt von Farbe, Temperatur und Lüftung ab. Das Umweltbundesamt rät, mindestens bis zum Trocknen zu lüften; erhöhte VOC-Konzentrationen verschwinden in der Regel spätestens nach einigen Wochen. Emissionsarme Farben, etwa mit dem Blauen Engel DE-UZ 102, sind eine gute Wahl für genutzte Räume.

Welche Wandfarbe eignet sich für Flur und Empfang?

Farben der Nassabriebklasse 1 oder 2 nach DIN EN 13300. Sie vertragen regelmäßiges Reinigen besser als die Klassen 3 bis 5.

Was müssen Praxen zusätzlich beachten?

Wände sollten wischdesinfizierbar sein. Deshalb gleichen wir vorab ab, welche Desinfektionsmittel Sie verwenden, und wählen eine Farbe, deren Merkblatt die Beständigkeit ausweist. Behandlungsräume streichen wir in der Regel außerhalb der Sprechzeiten.

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Martin Barton

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