Treppenhaus im Altbau streichen: Farbkonzepte, Lacke und Ablauf
Ein Altbau-Treppenhaus braucht ein Farbkonzept, das die Bauteile gliedert, und Beschichtungen, die dem Alltag im Mehrparteienhaus standhalten. Wir zeigen, welche Wandfarben und Lacke sich eignen und wie die Arbeiten im bewohnten Haus ablaufen.
Martin BartonMalermeister ·

Worauf es beim Treppenhaus im Altbau ankommt
Ein Treppenhaus im Altbau ist der Bereich, den alle Bewohner und Gäste zuerst sehen, und zugleich ein stark beanspruchter Gemeinschaftsraum. Kinderwagen, Einkaufstaschen, Fahrräder und tägliches Anfassen hinterlassen Spuren an Wänden, Zargen und Geländern. Ein durchgehend reinweißer Anstrich lässt die Gliederung der Bauteile leicht verschwinden und zeigt Gebrauchsspuren deutlich.
Eine gelungene Renovierung verbindet zwei Dinge: ein Farbkonzept, das Bauteile wie Wangen, Geländerstäbe, Türzargen und Kassettendecken bewusst gliedert, und Beschichtungen, die der täglichen Belastung im Mehrparteienhaus standhalten. Oft lohnt es sich, gut erhaltenes Naturholz an Handläufen oder Stufen nicht zuzulackieren, sondern sichtbar zu belassen.
Dazu kommt eine saubere Planung. Im bewohnten Haus müssen alle Etagen erreichbar bleiben, Trocknungszeiten eingehalten und Gerüche gering gehalten werden. Ebenso wichtig ist es, die vorhandenen Altanstriche vor dem Schleifen zu prüfen, denn in Altbauten können ältere Lackschichten Blei enthalten. In diesem Ratgeber zeigen wir, welche Farbtöne und Materialien sich für das Altbau-Treppenhaus eignen, wie wir im laufenden Betrieb vorgehen und worauf Eigentümer und Hausverwaltungen in Hamburg achten sollten.
Farbwahl und Architektur: Bauteile betonen statt weiß übermalen
Historische Treppenhäuser leben vom Zusammenspiel verschiedener Bauteile. Statt Wände, Holzwerk und Decken in einem einzigen Weißton zusammenzufassen, setzen wir auf abgestimmte Kontraste. Unser Titelbild zeigt ein Beispiel aus unserer Arbeit: Geländer, Stäbe, Wangen, Fenster und Türzargen sind dort in zartem Salbeigrün lackiert, während die Wände in einem warmen Hellgrau zurücktreten und der geölte Holzhandlauf sowie die alten Dielen sichtbar bleiben.
Auch kräftigere Töne funktionieren im Altbau gut, wenn die Gliederung stimmt. Ein tiefes Aubergine an den Wänden wirkt ruhig und edel, wenn Kassettendecke, Zargen und Geländerteile als klarer weißer Rahmen dagegenstehen. Ist eine Kassettendecke vorhanden, lässt sie sich zweifarbig fassen, etwa mit kräftig gestrichenen Kassettenfeldern und weiß abgesetzten Stegen, Profilen und Stuckrosette.
Bei der Treppe selbst lohnt der Blick auf den Bestand. Bei einer geschwungenen Holztreppe lassen sich Geländer, Handlauf und Setzstufen klassisch weiß lackieren, während die Trittstufen aus Holz sichtbar bleiben. Dieser Wechsel aus deckendem Lack und warmem Holzton nimmt dem Treppenraum die Strenge.
Materialien und Belastbarkeit: Was Wände, Geländer und Stufen aushalten müssen
Im Treppenhaus entscheidet die Materialwahl darüber, wie lange der Anstrich gepflegt aussieht. Für die Wände orientieren wir uns an der DIN EN 13300. Diese Norm teilt Wandfarben in die Nassabriebklassen 1 bis 5 ein. Bei Klasse 1 liegt der Schichtabtrag nach 200 Scheuerzyklen unter 5 Mikrometern, bei Klasse 2 zwischen 5 und 20 Mikrometern. Für Treppenhäuser empfehlen Fachratgeber Farben der Klasse 1.
Wichtig ist außerdem der Farbton. Dunkle, stumpfmatte Wandfarben können zum sogenannten Schreibeffekt neigen: Schon leichtes Streifen mit Hand oder Tasche kann helle Spuren hinterlassen. Für solche Töne eignen sich Farben, die der Hersteller ausdrücklich als Farbe ohne Schreibeffekt ausweist.
Für Holzbauteile wie Zargen, Wangen und Geländerstäbe kommen heute häufig wasserbasierte Acryllacke zum Einsatz. Sie trocknen in der Regel schneller und dunkeln kaum nach. Bei lösemittelhaltigen Alkydharzlacken weisen Hersteller darauf hin, dass helle Töne nachgilben können, die sogenannte Dunkelvergilbung. Da Geländer und lackierte Handläufe ständig angefasst werden, lohnt ein Blick ins technische Merkblatt, ob der Lack als beständig gegen Handschweiß ausgewiesen ist. Sichtbare Naturholz-Handläufe und Trittstufen lassen sich ölen, etwa mit Hartwachsöl: Die Haptik des Holzes bleibt erhalten, und Kratzer lassen sich partiell ausbessern, indem die Stelle angeschliffen und nachgeölt wird. Lack ist dafür abriebfester.
Notwendige Treppenräume sind zudem Flucht- und Rettungswege. Die Bauordnung stellt hier besondere Anforderungen an den Brandschutz, etwa an Bekleidungen. Deshalb klären wir bei größeren Maßnahmen vorab, welche Materialien zulässig sind. Steht das Haus unter Denkmalschutz, kommt eine weitere Abstimmung hinzu: Das Hamburger Denkmalschutzamt nennt Eingangsräume und Treppenhäuser ausdrücklich als besonders gestaltete Räume, die zu erhalten sind und deren Oberflächen fach- und sachgerecht repariert werden sollen.
So gehen wir vor: Vom Schutz der Wege bis zur letzten Stufe
Ein Treppenhaus wird täglich genutzt. Deshalb planen wir die Arbeiten so, dass das Haus bewohnbar bleibt und der Untergrund technisch sauber vorbereitet ist.
- Absprache und Etappenplanung: Wir stimmen den Ablauf vorab mit der Hausverwaltung und den Bewohnerinnen und Bewohnern ab. Wir teilen die Arbeit in Abschnitte ein, damit alle Etagen erreichbar bleiben und der Fluchtweg nutzbar ist.
- Abdecken und Abkleben: Bevor wir schleifen oder streichen, schützen wir die Laufwege. Wir decken Stufen ab und kleben Wohnungstüren sowie angrenzende Bereiche sorgfältig ab.
- Altanstriche prüfen: Im Altbau kontrollieren wir die Tragfähigkeit alter Schichten. Bei Holzbauteilen, die vor 1960 deckend lackiert wurden, ist nach Angaben der BG BAU generell mit bleiweißhaltigen Schichten zu rechnen. Bei Bleiverdacht schleifen wir nicht ohne Absaugung, verzichten auf Abbrennen und halten die Schutzmaßnahmen nach Gefahrstoffverordnung und TRGS 505 ein.
- Untergrund vorbereiten: Tragfähige Flächen schleifen wir an. Risse im Putz sowie Fehlstellen im Holz und an den Wänden bessern wir vor dem ersten Anstrich aus.
- Beschichten von oben nach unten: Zuerst streichen wir Decke und Stuck, danach die Wandflächen. Anschließend lackieren wir Türzargen und das Geländer. Auf unserem Titelbild sehen Sie das Ergebnis an einem solchen Bauteil: Das Geländer ist in Salbeigrün lackiert, während der geölte Holzhandlauf sichtbar bleibt. Zum Schluss folgen die Sockelleisten und, falls vorgesehen, die Stufen.
Typische Fehler bei der Treppenhausrenovierung
Wenn ein Treppenhaus schon nach kurzer Zeit wieder abgenutzt aussieht, liegt die Ursache häufig in der Planung oder Vorbereitung.
- Zu empfindliche Wandfarbe: Wer im Treppenhaus eine Farbe mit niedriger Nassabriebklasse wählt, bekommt Flecken und Streifen schlecht wieder heraus, ohne den Anstrich zu beschädigen.
- Matte dunkle Töne ohne Blick auf den Schreibeffekt: Dunkle, stumpfmatte Farben wirken auf den ersten Blick edel. Bei Streiflicht können sich jedoch durch Berührungen oder Reibung helle, glänzende Spuren zeigen.
- Lackieren ohne Haftprüfung: Wird neuer Lack ohne Prüfung auf alte Lackschichten gestrichen, kann die Haftung fehlen und die neue Schicht später abplatzen.
- Schleifen ohne Bleiprüfung: Wer alte Lacke ungeprüft und ohne Absaugung abschleift, kann bleihaltigen Staub im Treppenraum verteilen.
- Fehlende Wege- und Trocknungsplanung: Wenn Stufen, Geländer oder Zugänge gleichzeitig gestrichen werden, ohne Trocknungszeiten und freie Wege für die Bewohner einzuplanen, werden frische Oberflächen zu früh betreten oder angefasst.
Selbst machen oder Profi? Und häufige Fragen
Kleinere Ausbesserungen im Erdgeschoss lassen sich manchmal selbst erledigen. Ein komplettes Altbau-Treppenhaus stößt im Eigenbau jedoch schnell an Grenzen. Im offenen Treppenauge sind die Wände oft nur mit einem sicheren Gerüst erreichbar. Hinzu kommen der Umgang mit möglichem Bleiverdacht in alten Lacken und die Koordination im Mehrparteienhaus.
Der Aufwand für einen Fachbetrieb hängt vor allem von diesen Punkten ab:
- Geschosshöhe und Anzahl der Etagen: Sie bestimmen die Wandfläche und den Aufwand für das Gerüst.
- Geländerprofile und Stäbe: Viele gedrechselte Stäbe und Profile bedeuten mehr Handarbeit beim Schleifen und Lackieren.
- Zustand von Putz und Stuck: Risse, Hohlstellen oder beschädigte Profile müssen vorab repariert werden.
- Vorarbeiten an Altanstrichen: Schlecht haftende Schichten oder Schutzmaßnahmen bei alten Lacken erhöhen den Zeitbedarf.
- Arbeiten im laufenden Betrieb: Die Etappenplanung im bewohnten Haus erfordert mehr Abstimmung und Schutzmaßnahmen.
Welche Wandfarbe ist im Treppenhaus am strapazierfähigsten?
Für das Treppenhaus eignen sich Farben der Nassabriebklasse 1 nach DIN EN 13300. Sie haben den geringsten Abrieb und vertragen auch eine regelmäßige feuchte Reinigung im stark genutzten Eingangsbereich.
Kann das Treppenhaus während der Arbeiten genutzt werden?
In der Regel ja. Wir planen die Renovierung in Abschnitten, damit die Etagen erreichbar bleiben und der Treppenraum als Rettungsweg nutzbar ist. Wo frischer Lack trocknen muss, kann es kurzzeitig Einschränkungen geben; diese kündigen wir vorher an.
Muss alter Lack am Geländer komplett entfernt werden?
Wenn der alte Anstrich tragfähig ist, muss er in der Regel nicht vollständig entfernt werden; er wird angeschliffen. Bei älteren Lacken klären wir vorher, ob sie Blei enthalten können, und schleifen dann nur mit geeigneter Absaugung.
Welche Farben passen zu altem Holz?
Gedämpfte Grün-, Grau- und Weißtöne passen gut zum warmen Ton von altem, geöltem Holz, wie das Salbeigrün auf dem Titelbild zeigt. Sie fassen die Bauteile ruhig ein, ohne mit der Holzmaserung zu konkurrieren.

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Martin Barton


