Zum Inhalt springen
Altbau7 Min. Lesezeit

Stuck im Altbau streichen: Ornamente erhalten und dezent absetzen

Stuckdecken im Altbau streichen, ohne dass feine Profile zulaufen: Wie Sie Leimfarbe erkennen, welche Farben passen und wie sich Ornamente absetzen lassen.

Martin BartonMalermeister ·

Salon mit ovaler Decke in warmem Sandton, Stuckrosette und Ornamentfries in weichem Weiß abgesetzt, Wandfelder mit Profilleisten

Wie bleibt feiner Stuck beim Streichen klar erkennbar?

Wer Stuckdecken im Altbau streicht, möchte frische Oberflächen, ohne die feinen Kanten von Rosetten, Friesen und Profilleisten unter neuen Farbschichten zu begraben. Der wichtigste Grundsatz lautet deshalb: so wenig Schichtstärke wie möglich aufbauen und den vorhandenen Untergrund vor dem ersten Pinselstrich genau prüfen.

In vielen älteren Wohnungen liegen bereits mehrere Renovierungsanstriche übereinander, darunter mitunter alte Leimfarbe. Wird einfach mit normaler Wandfarbe darübergerollt, runden sich scharfe Kanten ab, Vertiefungen setzen sich zu oder der Anstrich blättert später in Placken wieder ab. Statt immer neue Schichten aufzutragen, ist es oft sinnvoll, alte wasserlösliche Farbe zunächst abzuwaschen und den Stuck anschließend dünnschichtig mit dem Pinsel zu fassen.

Auch bei der Farbgestaltung lohnt sich Zurückhaltung. Ein leicht abgetönter Deckenspiegel nimmt großen Altbauräumen die Strenge und lässt das Relief plastisch hervortreten. Auf dem Titelbild aus einem von uns bearbeiteten Salon ist die ovale Decke in einem warmen Sandton gehalten, während die Stuckrosette und das Ornamentband in zartem Weiß abgesetzt sind und die Wandfelder mit Profilleisten ruhig anschließen.

Warum Stuck zuläuft und wie man Altanstriche erkennt

Für Innenstuck wurde traditionell bevorzugt Leimfarbe verwendet, also eine Farbe aus Kreide oder Kalksteinmehl und Pigmenten, gebunden mit wasserlöslichem Leim. Ihr großer Vorteil für reich profilierte Decken: Sie bleibt auch nach dem Trocknen wasserlöslich und lässt sich bei einer späteren Renovierung mit warmem Wasser wieder abwaschen, sodass die Stuckformen nicht unter immer neuen Schichten verschwinden.

Problematisch wird es, wenn bei späteren Renovierungen moderne, dickflüssige Farben mehrfach über das Relief gestrichen wurden. Jede dicke Schicht ebnet feine Kanten und Unterschneidungen ein wenig mehr ein, etwa an zarten Blattspitzen. Hinzu kommt ein technisches Risiko: Leimfarbe lässt sich nach Herstellerangaben nur wieder mit Leimfarbe überstreichen. Vor einem Anstrich mit anderen Farben wird sie deshalb in der Regel abgewaschen.

Ob Leimfarbe vorliegt, zeigt eine einfache Wischprobe. Hersteller empfehlen, den Finger mit Wasser anzufeuchten und an einer Stelle kreisend über den Anstrich zu reiben. Löst sich die Farbe, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Leimfarbe. Streicht man Dispersionsfarbe direkt darauf, kann die alte Schicht aufweichen und sich samt dem neuen Anstrich ablösen. Alternativ zum Abwaschen lässt sich Leimfarbe mit einer geeigneten Bindemittellösung verfestigen. Auf Stuck hat das Abwaschen aber einen Vorteil: Die Profile werden wieder freigelegt, statt eine weitere Schicht zu bekommen.

Die richtige Farbe und das Absetzen von Profilen

Damit Ornamente nach dem Streichen scharf gezeichnet bleiben, kommt es vor allem auf eine geringe Schichtstärke an: dünn auftragen und an den Profilen mit dem Pinsel statt mit der Rolle arbeiten. Entscheidend ist zudem, dass das Farbsystem zum Untergrund passt. Wurde die alte Leimfarbe abgewaschen, kann erneut mit Leimfarbe gearbeitet werden, die sich bei der nächsten Renovierung wieder abwaschen lässt, oder mit einem anderen System, das auf den gereinigten Untergrund abgestimmt ist. Welche Grundierung dazu gehört, steht im technischen Merkblatt des Herstellers.

Gestalterisch muss eine Stuckdecke nicht im Einheitsweiß verschwinden. Oft wirkt das Relief klarer, wenn Deckenfläche und Ornament leicht voneinander getrennt werden, etwa mit einem warmen Sandton im Deckenspiegel und behutsam weiß abgesetzten Profilen und Rosetten wie auf dem Titelbild. Eine solche Fassung passt zu dunkel lackierten Fenstern und Vertäfelungen ebenso wie zu Parkett. Schlichter wirkt eine weiß gefasste Stuckleiste zwischen glatter Decke und Wänden in ruhigem Greige.

So gehen wir vor

Damit Profile und Ornamente nach dem Anstrich klar lesbar bleiben, arbeiten wir an Stuckdecken Schritt für Schritt. Vorab ein Hinweis für Eigentümer in Hamburg: Steht ein Haus unter Denkmalschutz, ist nach Angaben des Denkmalschutzamts meist auch das Innere schützenswert. Dann brauchen auch Änderungen an der Ausstattung, etwa an Stuck oder historischen Raumfassungen, eine Genehmigung. Ob ein Gebäude eingetragen ist, zeigt die Hamburger Denkmalliste, die nach Straßen und Hausnummern geordnet ist. Im Zweifel genügt laut Denkmalschutzamt für eine erste Orientierung ein kurzer Anruf dort; die Fachleute des Amts beraten auch bei Sanierung und Restaurierung.

  1. Denkmalschutz klären: Ist das Gebäude als Denkmal eingetragen, klären wir mit Ihnen vor Beginn, ob die geplanten Arbeiten mit dem Denkmalschutzamt abgestimmt werden müssen.
  2. Raum schützen: Böden, Möbel und Wandflächen decken wir sorgfältig ab, da besonders beim Abwaschen alter Schichten Wasser und gelöste Farbreste heruntertropfen können.
  3. Untergrund prüfen: Mit einer Wischprobe prüfen wir, ob wasserlösliche Leimfarbe vorliegt und wie tragfähig die vorhandenen Schichten sind.
  4. Leimfarbe abwaschen: Vorhandene Leimfarbe waschen wir mit Wasser, Schwamm und weicher Bürste gründlich bis auf den tragfähigen Untergrund ab.
  5. Kleine Fehlstellen ausbessern: Nach dem Trocknen bessern wir kleinere Risse und Fehlstellen passend zum Untergrund aus.
  6. Grundieren: Je nach gewähltem Anstrichsystem und Saugfähigkeit des Untergrunds tragen wir eine passende Grundierung auf.
  7. Deckenspiegel streichen: Zuerst beschichten wir die glatte Deckenfläche gleichmäßig.
  8. Ornamente mit dem Pinsel bearbeiten: Profile, Leisten und Rosetten streichen wir dünnschichtig mit dem Pinsel oder stupfen die Farbe vorsichtig in das Relief ein. Überschüssige Farbe nehmen wir vor dem Antrocknen aus den Vertiefungen, damit keine Kanten zulaufen.
  9. Kanten sauber beschneiden: Zum Schluss ziehen wir die Übergänge zwischen Deckenspiegel, Profilen und Wand präzise mit dem Pinsel nach. Erst dann wirkt der Kontrast zwischen weißem Ornament und abgetöntem Deckenspiegel ruhig und klar, wie auf dem Titelbild.

Typische Fehler beim Streichen von Stuck

Wenn Stuckdecken nach einer Renovierung flach oder unruhig wirken, liegt das häufig an einigen wiederkehrenden Fehlern bei der Vorbereitung oder beim Farbauftrag:

  • Rolle auf Ornamenten: Wer mit der Farbrolle über Leisten und Rosetten rollt, bringt zu viel Material in die feinen Vertiefungen.
  • Dicke, füllende Farbe: Stark füllende Farben überbrücken feine Kanten und Hinterschneidungen. Mit jedem weiteren dicken Anstrich verliert das Relief an Kontur.
  • Dispersion direkt auf Leimfarbe: Wird Dispersionsfarbe ohne vorheriges Abwaschen auf alte Leimfarbe gestrichen, löst das Wasser im frischen Anstrich den Leim an. Die neue Schicht kann dann abblättern.

Selbst machen oder Profi? Und häufige Fragen

In kleineren Räumen mit glatten Leisten und tragfähigem Altanstrich lassen sich Teile der Arbeit selbst übernehmen. Grenzen zeigen sich bei Überkopfarbeit in hohen Altbauräumen. Das Abwaschen alter Leimfarbe über Kopf ist nass, anstrengend und zeitintensiv, und feine Ornamente erfordern eine ruhige Hand beim Beschneiden mit dem Pinsel.

Die Kosten hängen vor allem von Deckenhöhe und Fläche, von Menge und Feinheit der Ornamente, von Anzahl und Art der Altschichten, von Rissen und Fehlstellen sowie vom Farbkonzept ab, etwa einfarbig oder mit abgesetztem Deckenspiegel.

Wie erkenne ich Leimfarbe an der Decke?

Feuchten Sie die Stelle mit Wasser an und reiben Sie mit dem Finger, einem Tuch oder einem Schwamm darüber. Löst sich die Schicht schmierig an, handelt es sich in der Regel um wasserlösliche Leimfarbe.

Kann man Stuck mit der Rolle streichen?

Glatte Flächen wie der Deckenspiegel lassen sich rollen. Für profilierte Leisten, Kehlen und Rosetten eignet sich die Rolle nicht, da sie zu viel Farbe in die Vertiefungen bringt. Ornamente werden mit dem Pinsel gestrichen oder gestupft.

Muss alte Farbe vom Stuck komplett runter?

Wasserlösliche Leimfarbe wird vor einem neuen Anstrich in der Regel vollständig abgewaschen, da der neue Anstrich sonst abblättern kann. Festsitzende, tragfähige Altanstriche können nach Prüfung in der Regel bleiben. Sind die Ornamente durch viele Schichten bereits zugelaufen, ist im Einzelfall zu entscheiden, ob alte Schichten entfernt werden.

Wie setzt man Deckenspiegel und Stuck farblich ab?

Eine ruhige Lösung ist, Profile und Rosetten in einem gebrochenen Weiß zu halten und den Deckenspiegel in einem warmen Sandton zu streichen, wie auf dem Titelbild. Die Übergänge werden an den Profilkanten mit dem Pinsel sauber beschnitten.

Was steht in Ihrem Objekt an?

Erzählen Sie uns kurz von Ihrem Vorhaben. Ihre Anfrage ist kostenlos und unverbindlich.

Projekt anfragen

Über den Autor

Martin Barton

Zurück zum Ratgeber